Marionetten statt Chefs: Wie Amazon die Subunternehmer auf der letzten Meile knebelt

    • Marionetten statt Chefs: Wie Amazon die Subunternehmer auf der letzten Meile knebelt

      Marionetten statt freie Unternehmen: Die vielen kleinen Firmen, die für Amazon zustellen, werden von dem Online-Riesen mit rigiden Vorgaben geführt. Dieses System begünstigt die Ausbeutung der Paketboten auf der letzten Meile.

      Das hat eine investigative Recherche von Correctiv, Saarländischer Rundfunk und der Nordsee-Zeitung (Bremerhaven) offengelegt.Wir haben dabei auch mit etlichen Subunternehmern sprechen und interne Verträge und Dokumente einsehen können,

      Nordsee-Zeitung.de hat die Ergebnisse in einem frei lesbaren Scrollytelling veröffentlicht:

      Marionetten statt Chefs: Zustell-Unternehmer von Amazon packen aus

      Geschrieben hat den Text meine Kollegin Luise Langen, die auch Mitglied in diesem Forum ist.

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    • Danke für den Link zur Reportage! Werde ich mir mal in Ruhe durchlesen....

      zur Einordnung für die Leser im Forum:
      Zu dieser Reportage gab es im Vorfeld Anfang des Jahres hier im Forum eine Recherche einer Kollegin von Christian Lindner von der Nordsee-Zeitung
      https://www.forum-speditionen.de/amazon-und-die-subunternehmen-gibt-es-aktuell-eine-kuendigungswelle-20619?pageNo=1
    • Ahnungslos 3.0 schrieb:

      Werde ich mir mal in Ruhe durchlesen...
      Erledigt !

      Flott geschrieben und gut aufgemacht, tief recherchiert. :thumbup:

      Interessant sind vor allem die Informationen der drei Gesprächspartner zum Vergütungsmodell von Amazon.

      Dafür nehme ich in Kauf zum gefühlt drölften Mal in einer Reportage zur Amazon Logistik unterschwellig die Botschaft Amazon! ist! böse! zu lesen, garniert mit gelegentlichen Buzzwords wie „perfides System“. Der Informationsgehalt macht die latent spürbare missionarische Intention erträglich ;)

      Zielgruppe sind nicht vereinzelte Speditionsnerds, es soll schliesslich das breite Publikum erreichen. Das braucht wahrscheinlich ein bisschen emotionales Futter, um überhaupt in einen langen Text einzusteigen und bis zu Ende zu lesen.

      Man kann Amazon auch ganz entspannt nicht gut finden und als Käufer einen möglichst großen Bogen um die Amazon- und Online-Shopping-Welt machen.
      Ich schaffe das auch. Der stationäre Handel hat zwar nicht 24/7 offen, aber Öffnungszeiten bis 20/21/22 Uhr sind auch für die kompatibel, die nicht spätestens 17 Uhr Feierabend haben.
      Ich vermute, dass von denen, die heute beim Lesen empört sind, 98% morgen wieder bei Amazon bestellen. Oder sonstwo im Online-Einzelhandel, die Bedingungen in der DPD/GLS/Hermes Subunternehmerszene sind ja nicht fundamental anders.
      Und jede Menge Gründe anführen können, warum das für sie irgendwie „alternativlos“ ist

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    • Ahnungslos 3.0 schrieb:

      Interessant sind vor allem die Informationen der drei Gesprächspartner zum Vergütungsmodell von Amazon.
      Letztendlich ist es eine Frage der Perspektive.
      Wenn man in der Unternehmer-/Selbständigen-Welt unterwegs ist, ist die Diskrepanz zwischen vorweg mit Optimismus und Euphorie gestrickten Businessplänen und der harten Realität eine Erfahrung, die viele machen. Auch in der "freien Wildbahn", da braucht es keine stark reglementierte franchisesystem-ähnliche Selbständigkeit à la Amazon. Worst case zu scheitern mit kräftigen Verlusten ist im Gesamtpaket Selbständigkeit mitgebucht.

      Wenn man sich das Vergütungsmodell Amazon anschaut, hat m.M. derjenige der als Existenzgründer seinen Traum z.B. in der Gastromomie verwirklicht, mit langer Mietbindung am Bein, Vorabinvestionen in Einrichtung , Renovierung , eine größere Wahrscheinlichkeit das Abenteuer im völligen Ruin zu beenden, wie als Amazon DSP mit begleitetem Ausstieg. Die Chancen, mit Hinterlassung eines Teils der Startkapitals von ca. 15T€, zwei blauen Augen und einen ramponierten Ego rauszukommen, dürften recht hoch sein.

      Die regulären Grundkosten (Mieten Fahrzeug, Treibstoff, Personal etc.) werden größtenteils über die fixen und variablen Bestandteile abgedeckt. On top dann Leistungsprämien und die 0,10€ pro Paket für sonstiges und Unternehmerlohn. Das Cost Plus Modell ist auch keine Erfindung von Amazon.
      Bei 20 Fahrzeugen , zurückhaltend 150 Paketen pro Tag wäre man dann bei ca. 6000 € pro Monat, am unteren Ende des von Amazon bezifferten "Gewinnpotentials".
      Dass die in der Realität bei der Größenordnung nicht übrig bleiben, sondern durch ungeplantes mindestens teilweise aufgefressen werden, ist klar. Die Erfahrung mit den fiesen ungeplanten Kosten , in der Aufbauphase finanziell kleine Brötchen backen inkl. temporärer Selbstausbeutung hat man als Existenzgründer mitgebucht. 6000€ sicheren Gewinn vor Steuern realisieren am Anfang die wenigsten, egal in welcher Branche.

      Die kurze Kündigungsfrist von 30 Tagen klingt hart. Da jedoch mindestens in den ersten zwei Jahren die Kündigungsfristen seitens des Arbeitgebers kürzer oder deckungsgleich sind, sollte man auch die Arbeitsverhältnisse synchron beenden können.
      Dass man bei der Rückgabe von Miet- und Leasingfahrzeugen oft kräftig zur Kasse gebeten wird, ist halt so. Das weiss man oder man lernt es beim ersten Mal. Das ist nichts "amazon-spezifisches"

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    • ....und ich habe mir vor 27 Jahren nen Kopf gemacht bezüglich "Schein Selbstständigkeit ! !

      Damals hatte ich nur einen AG, und wenn's über 75 KM rausging wurde mir auch ganz mulmig !

      Heute interessiert das niemanden mehr :(


      Das mit der Amazon Geschichte hab ich mir vorher schon so gedacht !
      Der sicherste Weg arm zu bleiben ist ehrlich zu sein


      Wer mit Erdnüssen bezahlt, darf sich nicht wundern, dass nur Affen für ihn arbeiten!


      Mitleid bekommt man geschenkt, Neid muß man sich verdienen.

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Jupiter ()