Entwicklung Sammelgut-Netzwerke

    • Unter der Überschrift "CTL arbeitet an einer geschlossenen Struktur" erschien ein längerer Artikel in der DVZ, basierend auf einem Gespräch mit dem CTL Vorstandsvorsitzenden Francesco De Lauso:
      - man strebt zur Netzwerkstabilität 50-60 Exklusivpartnerschaften an
      - die Exklusivpartner erhalten neben Gebietsschutz einen Zuschlag auf die Zustellvergütung.

      Zu der im August letzten Jahres bekannt gegebenen ersten Exklusivpartnerschaft mit Gebr. Mayer, Zweibrücken für das Saarland sind inzwischen vier weitere dazugekommen:
      - Karl Jürgensen, Schleswig und Hamburg
      - Intertrans, Bobenheim-Roxheim (b. Ludwigshafen)
      - DH Logistik, Unna
      - Transfreight Deutschland, Kleinostheim b. Aschaffenburg

      Die Exklusivpartner haben sehr unterschiedliche Hintergründe:
      Karl Jürgensen kommt aus dem ILN/Simcargo-Netzwerk und war dort bis zur neuen Netzwerkstruktur 2024 in Hamburg TSP-Betreiber.
      DH Logistik Unna kommt, wenn ich das richtig in Erinnerung habe, usprünglich aus der StaR-Kooperation , die in die Simcargo aufging
      Intertrans Bobenheim-Roxheim ist CTL Partner seit den 1990iger Jahren, ich glaube Gründungsmitglied.

      Transfreight Deutschland im Rhein-Main-Gebiet scheint im nationalen Stückgutgeschäft in Deutschland ein Neueinsteiger zu sein.
      Die Muttergesellschaft in der Schweiz ist VTL Partner.
      Die dt. Tochtergesellschaft hatte bis jetzt den Fokus auf Schweiz-Verkehren und allgemein Teil- und Komplettladungen.
      Mit dem Wechsel von NTS im wenigen Kilometer entfernten Mainhausen zu Online dürfte Transfreight vermutlich dessen Gebiet, oder Teile davon, exklusiv übernehmen.

      Spannend, ob es wirklich zu Exklusivpartnerschaften in der angestrebten Größenordnung kommt.
      In den letzten Jahren ging der Trend bei Spediteuren mit mittlerem Stückgutaufkommen in die andere Richtung:
      Mehrfach-Mitgliedschaften zwei, drei oder sogar mehr Netzwerken zur Stopp-Verdichtung u. höheren Produktivität in der Zustellung und flexiblen Einspeisung des Ausgangsvolumens nach Kosten- und Qualitätskriterien.
    • Ein Blick auf die Partnerübersicht auf der Homepage der durch Abwanderungen zu IDS stark gefledderten 24Plus:

      Im Raum Düsseldorf ist Triolog Neuss als neuer Partner aufgeführt, nachdem Kleine Grevenbroich zu IDS als Hauptkooperation gewechselt ist.
      Triolog kommt ursprünglich aus der S.t.a.R-Kooperation und gelangte beim Zusammenschluss mit ILN zur Sim Cargo.
      Spielt allerdings in Punkto Mengen und Leistungsfähigkeit im Stückgut 2-3 Ligen unterhalb von Kleine Grevenbroich.

      Folgende Räume sind nicht durch Vollpartner besetzt, sondern werden über nicht namentlich genannte Dienstleister/Verteilerdepots bedient:
      221 Hamburg
      243 Süderbrarup
      391 Magdeburg
      497 Meppen
      681 Mannheim
      780 Villingen
      793 Kenzingen
      833 Nußdorf/Traunstein
      874 Kempten
      900 Nürnberg
      952 Hof
      960 Coburg
      970 Würzburg

      Nach der Schließung von Robert Müller Hamburg nach der Brandkatastrophe dürfte der Raum Hamburg "221" entweder über Bursped, Noerpel oder Garbe bedient werden.
      Ich tippe auf Garbe (VTL und CTL).
      Im nördlichen S.-H. "243 Süderbrarup" ist es eindeutig Werner Transport und Logistik, der in der Online ist.

      Komplett Nordbayern/Franken wird über vier Dienstleisterdepots abgewickelt.
      Im südwestlichen Ba-Wü ist "793 Kenzingen" eindeutig Emons, "780 Villingen" dürfte mit hoher Wahrscheinlichkeit ebenfalls Emons sein.

      Ob ein Netzwerk, das bisher ca. 60% der Mengen über Direktverkehre abwickelte, mit derart großen Lücken ohne Vollpartner weiter dauerhaft existieren kann, ist m.M. zweifelhaft.

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    • onkelp schrieb:

      Da gebe ich Dir Recht....
      Ohne strake Ausgangspartner wird das mit Direktverkehren nicht rentabel, außer du fährst das als Teilpartie auf Strecke. Dann zerhaut es Dir aber die Termine.

      Bei Meppen würde ich auf Boll tippen.... Oder auf Kraftverkehr Emsland - Nordhorn sind ja nur 30 km ;)
      Das wird schon Boll in Meppen sein, beim Depot 243 ist der Standort Süderbrarup ja auch präzise und nicht "Flensburg" ;)

      Ich hänge mich mal aus dem Fenster mit der Prognose, dass 2026/27 eines der kleineren Netzwerke vom Markt verschwinden wird.
      Eine Fusion zwischen Netzwerken auf Augenhöhe wird es nicht mehr geben, nachdem der Zusammenschluss S.t.a.R und ILN zu Sim Cargo krachend gescheitert ist.

      So längerfristig nicht überlebensfähig sind m.M.:
      - Palletways
      - Sim Cargo
      - VTL
      - 24Plus

      Palletways müsste in Deutschland unter wirtschaftlichen Aspekten schon längst vom Markt verschwunden sein. Ab Markteintritt 2012 bis ca. 2018, als sie noch eigene Jahresabschlüsse publizierten, hatten sie über 20 Mio€ verbrannt. Nach der Übernahme durch Imperial wurde nicht mehr eigenständig bilanziert, die Zahlen werden im Konzernabschluss konsolidiert. Es gibt aber keine Anhaltspunkte, dass sich die Situation wesentlich gedreht hat.
      Nachdem Imperial von DP World übernommen wurde, wird es aber wahrscheinlich weiter "strategische Gründe" geben, ein Stückgutnetzwerk in Deutschland zu subventionieren. Das Kleingeld dafür dürfte bei den Golf-Arabern aus Dubai vorhanden sein.

      Sim Cargo mit den Parallelstrukturen ex ILN und S.t.a.R in Sinzig und Homberg, einem im Verhältnis zu den Mengen überdimensionierten Personalapparat wäre als zweitkleinstes Netzwerk nach PW der naheliegendste Kandidat für einen Marktaustritt.
      Da jedoch Wolf-Peter Korth dort das Ruder übernommen hat und er aus dem Verkauf von ITC an NTG und anderen unternehmerischen Aktivitäten wohl über genügend finanzielle Mittel für den Turnaround-Versuch zurück zum alten ILN-System verfügt, wird Sim Cargo sicher die nächsten 2-3 Jahre mit ungewissen Erfolgsaussichten am Markt bleiben.

      Verbleiben dann VTL und 24Plus als akute Ausstiegskandidaten.
      VTL hat ebenso wie 24Plus riesige Lücken in der Flächenabdeckung durch Vollpartner.
      Die Hub-Struktur von 24Plus; Hauneck im Schnittpunkt A7/A4, Nord in Garbsen bei Ritter und Süd in Ludwigsburg bei Kunzendorf; ist m.M. geografisch besser aufgestellt wie die von VTL.
      Das VTL Zentral-Hub am Westrand von Fulda ist fast 20 Minuten von der Nord-Süd-Achse A7 entfernt. Daneben betreibt VTL ein kleines Nord-RUB bei Well Pack in Lehrte und ein West-RUB bei Loxx in Gelsenkirchen.
      VTL hat aber noch einige starke regionale Partner, die im Stückgut leistungsfähig sind. Diese wären eine wertvolle Ergänzung für 24Plus.

      Die logische Variante wäre, dass VTL den Betrieb einstellt und die leistungsfähigen Partner in andere Netzwerke, vor allem zum 24Plus wechseln.

      Ich würde auch nicht völlig ausschließen , dass die Anfang 2020 gescheiterte Übernahme von VTL durch Palletways wieder aktuell wird.
      Schlicht und einfach, weil vielleicht DP World als PW Eigentümer die Flucht nach vorn antritt und die finanziellen Mittel für ein solches Abenteuer hat.
      Auch wenn sich m.M. die beiden Netzwerke operativ kaum sinnvoll zusammenfügen lassen.

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    • Nicht ganz überraschend, Lohmöller kooperiert mit K&N schon seit Jahren im europäischen Landverkehr und nutzt das europäische K&N Netzwerk.
      Die Kontraktlogistiksparte wird nicht mitverkauft.

      Damit schliesst K&N die Lücke zwischen den K&N Standorten im Norden (Oldenburg, Bremen) und den Standorten in NRW, die im IDS-Netz sind:
      Bielefeld, Bocholt, Dortmund, Hagen
    • Neu

      Unter der Überschrift "24plus kann Lücken schließen" bringt die DVZ einen längeren Artikel mit Aussagen von 24Plus-Geschäftsführer Paul Walter.
      Walter ist seit 01.01. alleiniger Geschäftsführer. Die Vorgängerin und temporäre Mitgeschäftsführerin Yvonne Besser ist noch für den Vertrieb zuständig.

      - Kleine Grevenbroich ist zum 01.02. ausgeschieden, das Gebiet wurde von Triolog Neuss übernommen (siehe auch Post#341 v. 14.02.). Triolog bleibt weiter parallel in der Simcargo
      - Krüger Geis Göttingen ist durch Zufall Göttingen (primär bei NG network) ersetzt worden
      - Robert Müller bleibt mit allen Standorten (also auch Hauptstandort Saarlouis, der zu IDS gewechselt ist?) für 24Plus tätig und ist der größte Netzpartner
      - in Singen ist 01.03. die TLI Translog dazu gekommen (bisher oder weiter Simcargo?). Ob TLI zusätzlich zu Hermann Maier Singen bei 24plus einsteigt, oder ob Maier aussteigt, wird nicht deutlich.

      Laut Walter hat 24Plus unter dem Strich 5% Volumen verloren. Ich hätte die Einbußen im zweistelligen Prozentbereich vermutet.

      24Plus will sich mit niedrigeren Einstiegshürden für andere Spediteure öffnen. Sowohl als Überhanglösung für die Sped., die als Dienstleister für Verteilung und Beschaffung tätig sind, aber auch für andere Sped., die permanent oder temporär eine Einspeislösung für Stückgut benötigen.