Ausnutzung der Transportkapazitäten im Straßengüterverkehr a.k.a."Leerkilometer"

    • Ausnutzung der Transportkapazitäten im Straßengüterverkehr a.k.a."Leerkilometer"

      Hallo zusammen,

      in seiner Marktbeobachtung Güterverkehr hat das BAG im Jahresbericht 2014 u.a. auch die Anteile Leerkilometer nach Fahrzeugart / Fahrzeugaufbau dargestellt.

      Zu finden unter 3.1.3 "Ausnutzung der Transportkapazitäten im Straßengüterverkehr" unter folgendem Link
      erfurt.ihk.de/blob/efihk24/sta…hresbericht_2014-data.pdf
      stehen da im Schaubild 3 auf Blatt 13 durchschnittlich 20,9%. Kipper-, Silo- u. Tankfahrzeuge naturgemäß deutlich höher - Kühler und Containeraufbauten deutlich drunter.
      Planen und Kasten liegen mit 20,9% und mit 18,9% auf Durchschnitt.

      Ich hoffe, dass ich das hier mal so fragen darf:
      Was sagt ihr zu diesen Zahlen? Decken sie sich mit euren Erfahrungen in euren jeweiligen Sparten? Oder ist das lediglich graue Theorie?


      Mir kommen die Anteile recht hoch vor... ich meine, ich hätte hier irgendwo was von einem LeerKM-Anteil von ca. 5% in einem Post eines sehr erfahrenen Members gelesen...
      und anders kann ich mir das wirtschaftlich bzw. kalkulatorisch auch garnicht vorstellen. Rund 20% Anteil Leerkilometer, wie vom BAG dargestellt, müssen doch weh tun, oder?

      Beste Grüße,
      Jürgen
      "...soll ein Jeder nach seiner Fasson glücklich werden!"

      - Der alte Fritz -
    • Sollte passen..Meine Leerkm liegen zwischen 20 und 130 km im Standard bei Laststrecken von ca. 300-400 km. Ist ja auch der Durchschnitt. 40 mal im Jahr wird n LKW auf 400 km leer heimgezogen..
      Eine Linie von mir fährt einmal in der Woche eine Strecke von 900 km, 400 km davon leer...
      Kurz gesagt: Ich dulde keine Kritik an diesem Heiligen Land, das meine Heimat ist... Bayern, Du bist mein Heimatland!
    • Hallo Jürgen,

      Statistik musst du immer sehr differenziert sehen. Schau dir mal das Schaubild danach an (Seite 14, Nr.4)
      Dort hat der Fernverkehr einen Leerfahrtanteil von nur noch ~10%, ich denke du meinst mit deiner Frage den Fernverkehr, wenn man den Werkverkehr noch aus dieser Zahl herausrechnen würde, wäre sie noch besser. Der Werkverkehr darf nämlich nur Ladungen fahren, die das Unternehmen selbst in irgendeiner Form besitzt. Also z.B. Fertigware weg und Rohstoffe für den Eigenverbrauch zurück, oder Waren die das Unternehmen gekauft hat und wieder weiterverkauft, bzw. Waren die in dem Unternehmen des LKW's behandelt werden (z.B. repariert oder veredelt).

      Die Kipper laufen halt meist im Nahverkehr auf recht kurzen Strecken (z.B. Kieswerk - Betonwerk 10km), da eine Rückladung mitnehmen, wenn sie nicht sau gut bezahlt wird und ohne großen Zeitverlust durchgeführt werden kann, einfach nicht rentabel ist. Man brauch dann meist die doppelte Anzahl von Fahrzeugen.

      Spezialfahrzeuge, wie Silo, Tank usw. sind halt mal schwer mit geeigneter Ladung zu befrachten, so wird die nötige Leerfahrt mit eingepreist. Findet man im Fernverkehr etwas passendes, so hat man sich ein Zubrot verdient. Auch hier ist der Zeitfaktor zu beachten (reinigen, Anfahrt zur Ladestelle, Umweg zur Entladestelle und evtl Standzeiten), manchmal hat man mehr verdient, gleich wieder zurückzufahren als irgendetwas unbekanntes anzunehmen und dann damit auf die Schnauze zu fallen.

      Der geringe Leerfahrtenanteil der Container ist der Tatsache geschuldet, daß der Container selbst schon die Ladung ist, ob voll oder leer. Hier irrt meiner Meinung nach das Gutachten (Theoretiker)
      "Aufgrund der
      Universalität dieses Ladungsträgers
      können hier am ehesten
      Rückladungen realisiert werden."
      . Pack mal was in einen Seecontainer (nix Palettenbreite).

      Die Kühlfahrzeuge laufen oft in Systemverkehre, die sind durchorganisiert, ebenso die Sammelgutverkehre.

      Je länger der Transportweg ist, umso mehr tut eine Leerfahrt weh.
    • KoNi schrieb:

      Sollte passen..Meine Leerkm liegen zwischen 20 und 130 km im Standard bei Laststrecken von ca. 300-400 km. Ist ja auch der Durchschnitt. 40 mal im Jahr wird n LKW auf 400 km leer heimgezogen..
      Eine Linie von mir fährt einmal in der Woche eine Strecke von 900 km, 400 km davon leer...
      Das ist heftig Konrad. Meine Leerkilometer liegen im Bereich der 5%-Marke. Bei 95% wiederkehrenden Ladungen habe ich mir die letzten Jahre ein System gestrickt, wo ich größtenteils im selben Ort wieder lade, bei 2 Fahrzeugen sogar in der selben Straße und bei weiteren 2 Fahrzeugen direkt an der Ausladestelle in selbiger Firma. 20% Leeranteil muß man erstmal erwirtschaften.
      Toleranz ist der Verdacht, das der andere Recht hat . Kurt Tucholsky

      Ein chinesisches Sprichwort sagt: Schläfst du ein mit Hintern der juckt, wachst du auf mit Finger der stinkt!
    • thommygera schrieb:

      Das ist heftig Konrad. Meine Leerkilometer liegen im Bereich der 5%-Marke. Bei 95% wiederkehrenden Ladungen habe ich mir die letzten Jahre ein System gestrickt, wo ich größtenteils im selben Ort wieder lade, bei 2 Fahrzeugen sogar in der selben Straße und bei weiteren 2 Fahrzeugen direkt an der Ausladestelle in selbiger Firma. 20% Leeranteil muß man erstmal erwirtschaften.
      Das eine ist Extremoptimierung von einem kleineren Relationsspezialisten, der sich auf ein paar Linien "austobt" - so muß das gehen :thumbup:

      Das andere ist "Verladerlogistik" im sehr terminsensiblen Segment, wenn ich das richtig einschätze. Da kann man nicht die gleichen Maßstäbe ansetzen.
      Da kann man nicht sagen, nö da fahre ich nicht hin, ist nicht meine Rennstrecke.....

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Ahnungslos 3.0 ()

    • Servus


      den durchschnittlichen Leerkilometeranteil würde ich so auch unterschreiben.
      Liege in meinem derzeitigen Bereich sogar noch etwas höher.



      Weniger kenne ich nur bei (aus jahrelang ausgeklügelten Systemverkehren) bei den größeren Stückgutverbünden oder UPS.

      Es wäre schön, wenn man im "Trampverkehr" diese noch minimieren könnte, aber leider stimmen meistens die Preise nicht, wenn mal eine Tour dazwischen passen könnte ... und man fährt besser gleich leer zu nächsten fair bezahlten Ladung.
      .




      Der Geruchskoeffizient gewisser finanzieller Mittel ist permanent gleich null!

      Alle meine Beiträge geben meine persönliche Meinung und Erfahrung wieder. Annahme von Ratschlägen oder Nachahmungen auf eigenes Risiko.
    • Das ist heftig Konrad. Meine Leerkilometer liegen im Bereich der 5%-Marke.
      Na ja..sind bei mir sehr viele eigene Ladungen zurück nach Erfurt. Bevor ich mir ne Ladung aus der TC zieh, fahr ich lieber mal 120 km leer. Hab ich mehr Geld als mit ner Ladung aus der TC und weiß, dass es klappt. Tausch bei mir nur den Auflieger und der LKW rollt weiter ohne Standzeit. Dadurch versuche ich dann die Leer-KM auszugleichen. Parallel achte ich auf den Preis.
      Den Großteil meiner Ladungen fahr ich für >1,50 €. Klar hab ich auch niedrige Preise wo ich mit 1,20 € oder so rumkrebs, aber das sind in der Regel Zubringer um zu den guten Kunden zu kommen oder eben das schlechte Geschäft wenn man auch das Gute will :D und machen nur einen Bruchteil aller Ladungen aus.
      Wobei das jetzt nicht für meine Linien gilt. Da sind die km natürlich auf ein Minimum reduziert, aber auch da gibt es mal 100 oder 200 km leer auf Grund von unpaarigen Verkehren oder blöd gelegenen täglichen Abholern.


      Dann muss ich in Gegenden, in die keiner will. Ich hab für morgen noch 3 Ladungen in die 72 offen :thumbsup: und eine nach Berlin. Ruft kein Schwein an. Muss ichs selber fahren. Die 72 ist easy, hab ich selber Ladungen zurück, aber auch 70 km weg fehlen nur noch die LKW dazu. Berlin fahr ich in der Regel wieder leer heim in den 5 Tagen im Jahr wo ich oben bin.
      Oder ich muss morgen von Leipzig aus in Ulm abends mit 3 Zügen anliefern. Mit einem LKW fahr ich morgen Abend noch leer zurück nach Erfurt, die anderen 2 Fahrer kommen von da unten.
      Kurz gesagt: Ich dulde keine Kritik an diesem Heiligen Land, das meine Heimat ist... Bayern, Du bist mein Heimatland!
    • Kipper-Spedition schrieb:

      Laut Dynafleet-Auswertung ist mein Leeranteil zwischen 8-11 % im FV, 43 % im Nahverkehr.

      @backpacker , jetzt hab ich mir aber auch ein ''gefällt mir-Button'' verdient, oder ?
      bitte, gerne! :D

      Aber jetzt mal ernsthaft... mich treibt dieses Thema schon seit geraumer Zeit gedanklich umher.

      Wenn ich so an die Sachkundeprüfung bei der IHK und den Vorbereitungslehrgang dazu denke, dann kommt mir immer in den Kopf,
      dass das Sachkunde-Zertifikat nach bestandener Prüfung ein wesentlicher Bestandteil zur Erlangung einer EU-Lizenz ist und somit auch das
      Kriterium "Berufszugangsbedingung" erfüllt. Und dann wird mir ganz anders. In den Kursen sowie in den Prüfungsfragen wird zwar immer auf die
      Kostenrechnung eingegangen, aber solch´ praxisnahe Themen -die wirtschaftlich u. kalkulatorisch doch sehr wichtig sind- werden ausgespart.
      Ebenso verhält es sich z.B. mit dem Thema Paletten. Das ist meiner Meinung nach alles zu läppsch und es wird den Prüflingen zu leicht gemacht bzw. zu wenig vermittelt, mit dem Ergebnis dass auch Branchenneulinge / -fremde in´s Transportgewerbe gehen (können) und sehr wahrscheinlich krachend scheitern. Ich darf garnicht daran denken, was da für Patienten oder sogar deren Ehefrauen Abend für Abend in dem Schulungsraum gesessen haben.
      In meinem ursprünglich erlernten Handwerk musste man seine Ausbildung und mind. 3 Gesellenjahre vorweisen, um überhaupt zur Meisterprüfung
      zugelassen zu werden. Und wenn man nicht mind. 3 Jahre lang wöchentlich 3xabends die Schulbank gedrückt hatte, war´s mit dem Meistertitel Essig und sich selbstständig machen somit erledigt. Im Transportgewerbe reicht so ein zweiwöchiger "Lehrgang", vielleicht noch ein paar Abende
      zusätzlich, und schon kann ich mit dem "Zertifikat" und ein paar Unbedenklichkeitsbescheinigungen etc. zur unteren Verkehrsbehörde laufen und eine EU-Lizenz beantragen. 600,- Öre in Wesel auf den Tisch des Herrn geblättert und ich hab den blauen Pappendeckel nebst Abschrift in der Hand und kann loslegen.

      Ich weiss, es ist eigentlich OT... aber war mir grad trotzdem wichtig. Ich finde, es gehen einfach zu viele den Bach runter, nachdem sie sich selbst
      schlecht vorbereitet aber auch schlecht ausgebildet in den Markt gestürzt haben. Und ganz nebenbei auch noch Preisstrukturen beschädigt haben.

      Zurück zum Thema... ich bin froh, dass ihr euch so auf den Fred einlasst. Um ehrlich zu sein, hatte ich schon mit ´ner Rasur gerechnet. ;)

      Jetzt verstehe ich so langsam, warum die erfahrenen Marktteilnehmer unter euch so sauer reagieren, wenn wieder so ein Patient um die Ecke kommt und mit ganz viel Ahnung von Nix hier im Forum ohne sich vorzustellen die Frage aller Fragen stellt.

      Mir liegt viel an der Transportbranche und ich könnte mich wohl als Marktteilnehmer darin wiederfinden wollen. In other words: Ich hab da Bock drauf!
      Aber Haus und Hof verzocken will ich wohl doch nicht. Dewegen nochmal MANY THANX, dass ich hier solche Fragen wie nach den Kapazitäten stellen darf. Wenn wir nicht alle so weit voneinander entfernt wohnen würden, würd´ ich wohl spätigens jetzt einen ausgeben.
      Naja.. was nicht ist, kann ja noch werden...

      Habe die Ehre, :saint:
      Jürgen
      "...soll ein Jeder nach seiner Fasson glücklich werden!"

      - Der alte Fritz -
    • backpacker schrieb:

      Zurück zum Thema... ich bin froh, dass ihr euch so auf den Fred einlasst. Um ehrlich zu sein, hatte ich schon mit ´ner Rasur gerechnet. ;)
      Auf eine ordentliche Fragestellung gab es auch hier schon immer ordentliche Antworten.
      Toleranz ist der Verdacht, das der andere Recht hat . Kurt Tucholsky

      Ein chinesisches Sprichwort sagt: Schläfst du ein mit Hintern der juckt, wachst du auf mit Finger der stinkt!
    • thommygera schrieb:

      backpacker schrieb:

      Zurück zum Thema... ich bin froh, dass ihr euch so auf den Fred einlasst. Um ehrlich zu sein, hatte ich schon mit ´ner Rasur gerechnet. ;)
      Auf eine ordentliche Fragestellung gab es auch hier schon immer ordentliche Antworten.
      Servus,


      ich finde das Thema auch gut.
      Noch dazu, dass sich hier bisher nur User beteiligen, deren Beiträge ich zu 100% sehr gern lese :thumbup: und für kompetent halte.
      (Auch wenn man nicht jede Meinung teilt)




      Was mich nun zu folgender Frage bringt, welche vermutlich nicht befriedigend beantwortet werden kann .... 8| ?(



      UND WIE,

      bringen wir nun den Dumpern und Möchtegernunternehmern bei, dass sie sich vor dem Kauf einer EU-Lizenz und eines LKW, erstmal
      einen Taschenrechner zulegen und in ihrer Preisfindung mal die ca. 20% Leerkilometer (laut Bundesstatistik und hier von Praktikern bestätigt) in ihrer Kostenrechnung einkalkulieren ? ?( ?( ?(


      Die gleiche Frage natürlich auch an diejenigen Auftraggeber, die immer der Meinung sind, eine Anfahrt nicht mit zu vergüten müssen.
      Wir können ja LKW leider noch nicht von einer Entladestelle zur nächsten Ladestelle beamen.




      schöne Ostern :) :thumbup: wünsche ich
      .




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      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Borstel ()